Juli 2010

Spottswoode auf der Farnsburg

Ein traumhafter, warmer Sommerabend, eine festlich eingedeckte, lange Tafel auf der großen Terrasse der Farnsburg und eine aus den USA angereiste Winzerfamilie vom Weingut Spottswoode waren neben einem großen Menü die Zutaten dieses gelungenen Abends. Bis 1882 zurück reicht die wechselhafte Geschichte dieses Gutes. Der erste eigene Wein wurde erst 1982 unter dem Spottswoode-Label erzeugt. Winemaker war von 1985 bis 1997 der legendäre Tony Soter.
Begrüßt wurden wir mit einem Glas 2008 Sauvignon Blanc des Gutes. Dieser Wein aus 80% Sauvignon Blanc und 20% Semillon hatte eine frische Nase mit den klassischen Sauvignon Blanc Aromen. Am Gaumen war er fett statt erfrischend, wirkte holzlastig(obwohl nur 20% Holz eingesetzt wurden) und alkoholreich. Sicher kein erfrischender Sommerwein, eher zum wärmen im Winter geeignet – 85/100. Deutlich besser gefiel mir der 2006 Sauvignon Blanc. Der war reifer, runder, feiner mit deutlich weniger spürbarem Alkohol und trank sich mit seiner cremigen Textur recht gut – 88/100. Der 2007 Sauvignon Blanc ähnelte wieder stark dem 2008er, wirkte holzig, hart, alkoholisch und unharmonisch – 84/100. 2007 und 2008 waren etwas besser zum Essen, aber es gibt sicher keinen Grund, hier in Europa diese ja auch nicht gerade geschenkten Weine zu kaufen.
Unter dem Namen Lindenhurst bietet das Gut eine Art Zweitwein an. Der wir nicht separat ausgebaut, sondern entsteht komplett als Spottwoode. Erst nach zwei Jahren im Fass wird dann entschieden, was Lindenhurst wird und was Spottswoode. 2005 Lindenhurst war ein reifer, süßer, schmelziger Beerencocktail mit viel Vanille, nicht sonderlich komplex, aber ein echter Crowd-Pleaser – 90/100. 2007 Lindenhurst wirkte im direkten Vergleich etwas verschlossener und alkoholischer, baute aber im Glas gut aus – 89+/100.
2000 Spottswoode war offen, reif und jetzt schön zu trinken, ein ledriger, leicht medizinaler, eher etwas schlankerer Wein mit guter Säure, der in den nächsten Jahren getrunken gehört – 90/100. Etwas jung und verschlossen wirkte 2004 Spottswoode, was auch daran lag, dass bis hier die Weine undekantiert ins Glas kamen. Die nachfolgenden wurden dann alle dekantiert. Cassis, reife Brombeere, Minze, wirkte aber auch etwas ungelenk und einfach gestrickt, öffnete sich dann zögerlich im Glas – 90/100. Hervorragend gelungen und jede Suche wert ist 2006 Spottwoode, ein Wein, der wunderbare Frucht, wiederum reife Brombeere, aber auch Kräuter, Bitterschokolade und hohe Mineralität mit sehr guter Struktur und Präzision verbindet – 96/100. Für mich war das der bisher größte Spottswoode und ein Wein, der unbedingt in meinen Keller gehört. Aber das ist wohl eine Frage der persönlichen Präferenzen. Parker bevorzugt den von ihm mit 99/100 geradezu geadelten 2007 Spottswoode. Warum, wurde mir schnell klar. Das ist eine völlig andere Stilrichtung, eine durchaus faszinierende, dicke, kalifornische Weinsau, üppig, dekadent, süß, Fülle ohne Ende, kann man fast mit dem Löffel nehmen – 94/100. Fans dieser Stilrichtung, auf die ich in meiner „Weinjugend“ auch mal stand, werden deutlich mehr geben und sollten sich umgehend auf die Suche nach diesem Wein begeben.
Deutliche Flaschenvariationen gab es bei 1990 Spottswoode. In der besseren Variante war er sehr reif, schon etwas über den Punkt, Soyasoße, alte Ledertasche und etwas Minze, baute im Glas rasch ab und gehört ausgetrunken – 88/100. Deutlicher jünger und frischer 1991 Spottswoode mit viel Eukalyptus und Minze, ein sehr feiner, eleganter Wein, der deutlich die Handschrift von Tony Soter (Etude) zeigte. Zum jetzt trinken TWON (the wine of the night) – 94/100. 1992 Spottswoode war reifer als 91, aber jünger als 90, Minze ohne Ende, auch das ein sehr feiner, eleganter Wein, reif und weich – 92/100. Deutlich mehr hätte ich von 1995 Spottswoode erwartet. Der baute rasch im Glas ab und wurde eindimensional und langweilig – 87/100. Das können nur schlechte Flaschen gewesen sein.

Millionen blutrünstige Weiber waren zwischendurch mit Einbruch der Dämmerung über uns hergefallen. Inzwischen waren die Mücken ins Tal weitergezogen, die Gläser waren leer, ein Großteil der Probenteilnehmer auf dem Wege nach Hause. Fürs Bett war es aber noch zu früh und die abendliche Stimmung zu schön. Also rückte der harte Kern zusammen und begann, in bewährter Manier Andreas Putzis schier unerschöpflichen Keller zu plündern. Beim ersten Wein waren sich alle einig, auch Spottswoode Chefin Beth Novak Milliken, das musste ein großer, reifer Burgunder sein. War es aber nicht, sondern ein großer, reifer kalifornischer Cabernet, ein 1971 Sterling Vineyards Cabernet Sauvignon Reserve. Der zeigte durchaus eine burgundische Pracht und Fülle, war im positiven Sinne üppig, süß, dicht und komplex, sehr würzig und einfach dekadent lecker – 96/100. Ein Musterbeispiel für das, was sehr gut gelagerte, ältere Kalifornier ins Glas bringen können. Seinen Meister fand dieser Wein in einem außerirdisch guten, perfekt gereiften 1982 Gruaud Larose – 97/100. Weiter ging es mit einem 1994 Mount Veeder Winery Reserve, einer Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Petit Verdot und Malbec. Der hatte wohl die besseren Zeiten schon gesehen, wenn es die jemals gab, viel Säure, wirkte schlank, eher etwas karg, bissig, wie der kalifornische Versuch, einen Montrose zu machen – 89/100. Da dann doch lieber den 1994 Caymus Special Selection, ein hedonistischer Wein mit herrlicher Frucht, süß mit Karamell, aber auch etwas Eukalyptus und Minze, immer noch kraftvoll, dicht, komplex und sehr lang am Gaumen - 95/100. Extrem vielversprechend auch die würzige, portige Nase des 1987 Ridge Geyserville Zinfandel Reserve aus der halben Flasche, doch der ausgetrocknet wirkende, schwierige Gaumen kam da nicht mit – 86/100. Mich zog es danach in mein Bett in einem der gemütlichen Farnsburg-Zimmer. Habe ich noch etwas verpasst? Aber ja, der ganz harte Kern machte noch weiter….
Auch nicht von schlechten Eltern: am nächsten morgen die herrlichen Eierspeisen von ganz frisch gelegten Eiern, die Andreas Putzi erst Minuten vorher den Hühnern stibitzt hatte.

Siegesfeier

Ein grandioses Spiel war dieses 4:1 der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und eine perfekte Ausrede für eine anschließende, ausgiebige Siegesfeier im Parkhotel Weggis. Sehr nobel fand ich von meinen Schweizer Freunden auch, dass sie den deutschen Sieg am späten Abend mit einem großen Feuerwerk zelebrierten. Oder war das für das Rosenfest? Egal, schön war es in jedem Fall.
Aus der extrem umfangreichen Weggis-Karte wurden wir, wie immer sehr kompetent unterstützt durch den souveränen Sommelier Wolfgang Kneidinger, bestens fündig. Und bevor wir zu den Weinen kommen: das, was da auf unseren Tellern landete, war sehr hochkarätig und hatte gut und gerne 18/20 GaultMillau-Punkte verdient.
Eine glockenklare, reife Frucht hatte der 2006 Rüdesheimer Berg Kaisersteinfels Alte Reben Spätlese trocken von Leitz, hoch aromatisch und mit cremiger Textur, dabei sympathisch niedrig(12,5%) im Alkohol – 91/100. Mit trockenen Moselweinen habe ich oft so meine Probleme. Nicht so hier mit dem 2007 Marienberg GG von Clemens Busch. Das war ein echtes, großes Gewächs, das förmlich am Gaumen explodierte, mit sehr feiner Frucht, reifer Mirabelle, und endlosem Abgang – 93/100. Groß auch ein 1999 Au Bon Climat Nuits Blanches, dezent rauchige Nase, wunderbare Frucht, reifer Pfirsich, kalifornische Fülle mit burgundischer Präzision, Kraft, Finesse, Eleganz und eine enorme, mineralische Dichte, sehr langer Abgang – 95/100.
Gewaltiges Potential deutete der 1996 Chambolle Musigny 1er Cru von Comte de Vogüe an. Feine Frucht, Schattenmorelle, Himbeere, gute, im jetzigen Stadium recht prägnante Säure, ein frischer, junger, eleganter Wein, der noch 10 Jahre weggelegt und dann 20+ Jahre lang genossen gehört – 92+/100. Schwer einzuordnen die unglaubliche Spaßnummer im anderen Glas. Einfach eine geile, von Röstaromatik geprägte Nase, der 93er Mouton aus seiner Hochzeit als Burgunder, reichlich Schoko, Kaffee, Mokka, am Gaumen kräftige Säure, aber auch Reife mit wunderbarer Süße und guter Länge. Deutliche Flaschenvariationen soll es bei diesem 1996 Chambertin von Rossignol-Trapet geben, den wir als extrem positive Ausnahme ins Glas bekamen – 94/100.
Deutlich besser kenne ich aus früheren Jahren den 2001 Castello Luigi. An diesem Abend war das eine ziemlich einfach gestrickte Schokonummer mit nur wenig Tiefgang, die Spannung ist weg – 89/100. Deutlich mehr hatte ich auch von 1995 Tertre Rotebouef erwartet. In der Nase florale Aromen, grüner Tee, elegant am Gaumen, aber auch etwas autrocknend, da muss es besserer Flaschen geben – 90/100.
Vom Nachbartisch wuchsen plötzlich noch zwei Weißweingläser rüber. Großes Burgunderkino der 1998 Chateau Rayas Chateauneuf-du-Pape Blanc Reserve, elegant, fein, aber auch ungeheuer druckvoll am Gaumen, sehr mineralisch mit endlosem Abgang – 94/100. Sehr enttäuschend im anderen Glas der 2002 Marcassin Chardonnay, dick, fett, aufdringlich, nuttig, braucht die Welt nicht, und wer es unbedingt haben möchte, soll dann bitte auch den absurden Preis bezahlen – 89/100.
Träumen war danach angesagt, noch dazu in großen Schlucken. Auf der Karte hatten wir eine perfekte 1983 Latour Magnum gefunden, die nicht mal die Hälfte von dem kostete, was für den 2009 Latour in der Subskription verlangt wird. Das war reifer Latour in Perfektion – 95/100.
Zugeballert wurden wir jetzt noch mit einer Reihe jüngerer Kalifornier. Das lag jetzt weniger am Sommelier, als am Geschmack der Anwesenden. Wir machten quasi so eine Art Best Bottle aus der Karte. Der 1997 Heitz Martha´s Vineyard, der erste Jahrgang nach der Neubepflanzung und damit aus blutjungen Reben war die gelungene, jugendlich-üppige Version eines Martha´s mit satter Frucht, die sich sehr in den Vordergrund drängte und die Heitz-klassische Aromatik von Eukalyptus und Minze etwas überlagerte – 93/100. 1994 Caymus Special Selection war wieder ein hedonistischer Traum – 95/100. Ein schier unglaubliches Konzentrat, das fast weh am Gaumen tat, war der 2002 Quilceda Creek, dichtes Schwarzpurpur, pure, konzentrierte Frucht, hohe Mineralität. Da war nichts Überladenes, nichts Dickes oder Marmeladiges. Einfach ein großer, harmonischer Wein wie aus einem Stück gemeißelt. Erinnerte an den jungen 94er Harlan. Hätte ich gerne in 10 Jahren wieder im Glas – 95+/100. Aus ähnlichem Holz war der 2003 Quilceda Creek geschnitzt, der aber etwas offener und zugänglicher wirkte. Auch das aber ein Weinembryo, das erheblich zu früh in meinem Glas landete – 95+/100. Sicher wird es diese beiden Weine (beide 100/100 bei Parker) in 10-15 Jahren, wenn sie richtig Spaß machen, auf Restaurantkarten nicht mehr geben. Und wann ist der 1989 Chateauneuf-du-Pape Clos des Papes reif? Gut, der hat schon eine wunderbare, schöne Erdbeernase, aber am Gaumen sind da noch mächtige Tannine, gehört noch eine Weile weggelegt – 92+/100.
Den Abschluss bildete eine hochkarätige 1996 Lieser Niederberg Helden Auslese*** von Schloss Lieser, deren süße Fülle perfekt durch die typische, immer noch knackige 96er Säure balanciert wurde – 93/100.

Schnäppchen

Wie heißt es doch so schön? In großen Jahren sollte man kleine Weine kaufen. Die halten dann zwar nicht ewig, bieten aber für vergleichsweise kleines Geld immensen Trinkspaß. Für die 2009er Subskription das sicher ein Ratschlag, den zu befolgen lohnt. Aber was ist mit älteren Jahrgängen? Kleinere Weine halten nun mal nicht so gut wie große. Und doch konnte ich bei Ebay nicht vorbei an einem Lot mit zwei Flaschen 1961 Clos du Moulin aus Puisseguin St. Emilion, einer der vier Satelitten-Appelationen von St. Emilion. Ganze € 26 kosteten die beiden Flaschen zusammen. Sechs Wochen zum Abbau des Transportstresses ließ ich verstreichen. Dann musste der Korkenzieher in die erste der beiden Flaschen. Reif war die Farbe mit deutlichem , dunklem Braun, die Nase verhalten mit etwas Kaffee und Waldboden, reif auch der Gaumen, etwas rustikal mit nur ganz dezenter Süße, war eben immer schon ein kleinerer Wein, aber immer noch sehr gut trinkbar, dürfte sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten - 88/100.

Dazugelernt

Je besser desto üppiger und süßer? Das gilt nicht für den 2008 Pinot Noir For unto us a child was born von Jürgen von der Mark. Deutschlands erster Master of Wine erzeugt diesen Wein auf einer kleinen Anlage mit alten Reben im Kaiserstühler Tuniberg. „Schmeckt nicht“ kam als erste Ansage von meiner Familie. „Stehen lassen“ kam von mir zurück. Schließlich war der Wein gerade erst dekantiert worden und brauchte reichlich Zeit und Luft. Das war keiner dieser bonbonhaft-süßen, üppigen, alkoholreichen Spätburgunder und Pinots, wie man sie häufig findet. Eher herb statt süß, gut strukturiert statt schwabbelig, tiefgründig statt offensichtlich. Ein perfekter Pirat für Burgunder-Proben und ein perfekter Wein für mein Glas. Wird nie langweilig, entwickelt sich, zeigt immer neue Facetten und macht Lust auf den nächsten Schluck – 92/100. Kann ich unbedingt empfehlen. Der seltsam klingende Name at übrigens nichts mit Nachwuchs in der Familie von der Mark zu tun, sondern ist ein Lied von Händel, das der Winzer als zu seinem Wein passend ausgesucht hat.

Gutenborner?

Von dieser Rebsorte hatte ich noch nie gehört. Jetzt stand sie vor mir als 1983 Kanzemer Altenberg Gutenborner Spätlese Fuder 1 aus dem Hause von Othegraven. Eine kurze, nicht sehr ergiebige Internet-Recherche ergab, dass der Gutenborner einer dieser zahllosen Neuzüchtungen auf Müller-Thurgau-Basis ist. In diesem Fall entstand diese, speziell für kühlere Regionen gedachte Rebsorte in der Forschungsanstalt Geisenheim als Kreuzung mit Chasselas-Napoleon (wie prickelnd !). Durchgesetzt hat sie sich nicht. Eigentlich hatte ich deshalb auch nichts von diesem Wein erwartet, den ich als reines Versuchsobjekt mit auf die noble Kö in die Weinbar Marlis mitgenommen hatte. Die sehr reife Farbe erinnerte an einen alten Weißherbst. In der Nase alter, leicht gärender Apfel, auch am Gaumen abgestandene Apfelschorle, etwas oxidativ, Sherrynoten, aber erstaunlicherweise durchaus noch trinkbar – 79/100.
Die Zeit dieser unseligen Neuzüchtungen dürfte ohnehin zu ende gehen. Wer braucht, außer für den Weinbau auf Sylt, in Zeiten des rasch fortschreitenden Klimawandels noch Reben für kühles Wetter? Und in Zeiten von Ertragsbegrenzung sind auch ertragsreichere Reben deutlich kontraproduktiv. Und wer etwas für die Resistenz seiner Reben gegen Krankheiten tun möchte, steigt besser auf biologischen oder biodynamischen Weinbau um, als seine Rieslinge gegen irgend so eine Tralala-Rebe einzutauschen.
Wir stiegen lieber auf ein paar schöne Rieslinge von der Mosel um. Später kamen dann noch ein paar spannende Rotweine dazu. Erstaunlich schön 1999 Trotanoy, den wir sehr rechtzeitig dekantierten. Trotanoy ist fast immer ein in seiner Jugend völlig unterschätzter Spätstarter. So auch dieser 99er, der erst am Anfang einer längeren Karriere steht. Jung, fruchtig, würzig, kräuterig mit enormem Abgang ist das ein Wein, der sich gerade erst warmläuft, da kommt in den nächsten Jahren noch mehr – 93/100. Animalisch, ledrig die Nase dieser immer noch kräftigen, stückweit verschlossen wirkenden 1999 Pichon Comtesse, schokoladiger Schmelz am Gaumen, baute enorm im Glas aus und wurde immer druckvoller mit irrer Länge am Gaumen – 93+/100. Irgendwie werde ich aus dieser Comtesse nicht schlau, die ich bis vor wenigen Jahren häufig sehr offen und einfach hedonistisch schön erlebt habe. Jetzt scheint sie sich, wie so manch anderer 89er auch, wider stückweit zu verschließen. Beim säurearmen, weichen opulent-fruchtigen 2003 Smith Haut Lafitte dürfte das kaum zu befürchten sein. Das ist ein klassischer 2003er, vorne Hui, hinten Pfui. Animierend und einfach lecker die mineralische Frucht, doch Abgang ist Fehlanzeige. Da gefällt mir der 2002er dieses Gutes besser – 90/100.
Noch ein Wort zu Marli, das nicht nur Weinbar, sondern auch Restaurant ist. Franz Josef Schorn, dieses gastronomische Urgestein, startet dort am 1. September nach dem Motto „Best Steak in Town“ mit der großen Grill-Oper und ganz speziell ausgewähltem und gereiftem Fleisch aus Nebraska.

Auf Schorns Terrasse

Diesmal ist vom Restaurant Schorn in Bilk die Rede, das Franz Josef Schorn vor Jahresfrist an seine Tochter Anne und Ihren Freund Marcel abgegeben hat. Letzterer hat nicht nur bei Jean Claude Bourgueil im Schiffchen seine Ausbildung gemacht, sondern dabei auch verdammt viel gelernt. Er kocht einfach höllisch gut. So auch wieder an diesem Abend, den wir auf der neu gestalteten, schnuckeligen Terrasse verbrachten.
Natürlich waren begleitend zur großen Küche auch große Weine angesagt. Ein komplexer, sehr mineralischer, am Gaumen kaum endender Traum die 2002 Hermannshöhle Spätlese trocken von Dönnhoff – 96/100. Wer einem solchen Wein ein paar Jahre Reife gönnt und ihn dann entsprechend behandelt, d.h. dekantiert, große Gläser, nicht zu kalt, der merkt schnell, warum auch trockene, große Rieslinge Weltklassepotential haben. Auf diesem Niveau ging es weiter mit einem 1977 Sassicaia, der zwar reif war, aber keinerlei Alter oder Schwächen zeigte, Traumnase mit Cassis und roter Johannisbeere, leicht exotisch, Kokos, Nougat, etwas Karamell, Leder, am Gaumen frisch mit guter Säure, aber auch mit feiner Süße und dem dekadenten Schmelz einer großen Comtesse, meine bisher beste Flasche, einfach perfekt und in dieser Form sicher noch mit Potential für 10+ Jahre – 97/100. Keinerlei Alter zeigte auch der 1979 La Landonne von Guigal, immer noch kraftvoll, rustikal, bissig und pikant mit guter Säure, aber auch schöner Frucht und burgundischer Fülle mit feiner Süße – 93/100. Einfach sexy, erotisch und betörend mit herrlicher Frucht und schöner Süße der wieder auferstandene 1985 Mouton Rothschild – 95/100. Noch einen Tick drüber mit mehr Struktur und Kraft der aus dieser Flasche noch recht jung wirkende, grandiose 1990 Leoville las Cases – 96/100. Glück hatten wir auch mit dem Senior des Abends, einem 1952 Magnan-la-Gaffelière. Der war reif, weich, aber nicht alt, sehr aromatisch mit viel Kaffee und Leder in der Nase, am Gaumen mit schöner Süße – 93/100.